Tür Oberfläche einer alten Weichholztür die mit flüssigem Bienenwachs behandelt wurde.
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Flüssiges Bienenwachs selbst machen

Zum Versiegeln von Holzoberflächen kann man Wachslösungen verwenden. Diese werden unter verschieden Markennahmen mit unendlich Inhaltsstoffvarianten angeboten. Eine gute Möglichkeit die Inhaltsstoffe zu kontrollieren und auch noch etwas Geld zu sparen ist es so eine Wachslösung selbst herzustellen. Mein Rezept für flüssiges Bienenwachs als Grundrezept. Dieses kann man nach den eigenen Vorstellungen abwandeln.

Voraussetzung für diese Mischung ist eine geschlossene Wärmequelle, z. B. Elektrokochplatte. Sonst besteht erhebliche Feuergefahr!!! Wichtig ist auch eine genügende Belüftung. Am Besten die Mischung im Freien vornehmen. Die Mischung nicht überhitzen. Es besteht Selbstentzündungsgefahr.

Flüssige Bienenwachslösung

300g Bienenwachs werden in 700ml Terpentin auf der Wärmequelle erwärmt und nach dem Schmelzen des Wachses gut durch gerührt. Nun die Mischung von der Wärmequelle entfernen und bis zum Erkalten weiter Rühren. Das ist wichtig, da sich sonst die Komponenten trennen. Ich verwende immer Balsamterpentinöl. Ich mag den Geruch von Terpentinersatz nicht so besonders.

Um eine härtere Wachsschicht bzw. mehr Glanz zu erreichen gibt man auf 250 g Bienenwachs 50 g Carnaubawachs. Diese Mischung ist auch für Dielen oder Parkett geeignet. Sie ergibt eine harte aber nicht zu glatte Oberfläche. Ein höherer Anteil von Carnaubawachs ist für Fußbodenwachs nicht ratsam, da eine zu große Glätte entstehen kann. Höhere Anteile an Carnaubawachs kann man für Oberflächen verwenden die einen lackähnlichen Glanz und eine harte Oberfläche bekommen sollen.

Bienenwachsbalsam selber machen

Will man die Mischung als Paste verarbeiten, wird das Grundrezept folgendermaßen verändert:
Anstatt 700ml Terpentin nimmt man für 300g Wachs etwa 250-270ml Balsamterpentinöl. Ansonsten bleibt die Rezeptur unverändert. Als Ergebnis bekommt man eine Politurpaste die sich leicht mit einem Tuch auftragen lässt.

Duftstoffe für Bienenwachslösungen

Um den Geruch der Bienenwachspolitur dem eigenen Empfinden anzupassen kann man verschiedene ätherische Öle beigeben. Geeignet sind zum Beispiel: Orangenöl, oder Honigwachsöl, Zitronenöl

Verarbeitung von flüssigem Bienenwachs

Da Bienenwachs, zumindest ohne Beimischung von härteren Wachsen, recht weich ist empfiehlt es sich bei strapazierten Oberflächen vorher eine Versiegelung. Dazu kann man zum Beispiel Hartwachsöl, Leinöl, Halböl oder Schellack verwenden. Flüssiges Bienenwachs lässt sich auf allen Holzoberflächen einsetzen. Bei glatten Holzoberflächen schleift man das Holz mit feinem Schleifpapier. Um eine besonders feine Oberflächenstruktur zu bekommen, befeuchte ich die Oberflächen mit Wasser oder besser Brennspiritus und lasse sie vor dem letzten Schleifgang gut trocknen. Durch Verwenden von Brennspiritus vermeidet man das Quellen des Holzes. Durch das befeuchten stehen Faserenden auf, die später auch durch das Wachsen hoch kommen würden. Diese Fasern schleife ich mit sehr feinem Schleifpapier vor dem ersten Anstrich.
Die erste Wachsschicht bringe ich mit einem weichen Pinsel oder einem Tuch auf. Nach dem Abtrocknen, das etwa 2-3 Stunden dauert, poliere ich die Oberfläche mit einem Tuch oder einer Bürste. Dieses Vorgehen wiederhole ich solange bis die gewünschte Oberflächenqualität erreicht ist.

Raue und strukturierte Oberflächen reinige und glätte ich mit einer Stahlbürste. Je nach Härte der Stahlbürste kann man die Maserung des Holzes noch besser herausarbeiten. Bei rauen und strukturierten Oberflächen bringt man das Wachs am Besten mit einem weichen Pinsel auf. Polieren kann man dann mit einer Bürste. Hier haben sich bei mir Schuhbürsten gut bewährt. Die gibt es in verschiedenen Härten. Da muss man etwas experimentieren, um die Richtige zu finden.
Da das Wachs jeder Oberfläche eine andere Farbe gibt, macht es Sinn ein Probestück zu fertigen. Möchte man das Holz färben, kann man dies vor dem Wachsen, mit den üblichen Holzbeizen tun oder der Wachslösung Beize beifügen. Gefärbte Wachslösungen ergeben besonders auf strukturierten Oberflächen interessante Effekte.

Eignung von Bienenwachslösungen

Ich setze flüssiges Bienenwachs für fast alle Oberflächen ein. Nur bei Flächen auf denen Wasserflecken stören nehme ich kein Bienenwachs. Bienenwachs wird bei Wasserkontakt milchig trüb. Das finde ich auf Tischplatten nicht so attraktiv.

Foto: Dagobert Wiedamann

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