Fertige Tür Fertige Tür nach der Restaurierung

Restaurieren der alten Vollholztüren

Wir haben in unserem Schnäppchenhaus noch drei der alten, originalen Türen gefunden. Auch wenn sie teilweise in schlechtem Zustand sind und dick mit weißer Farbe gestrichen finden wir, die sind zu schade für den Sperrmüll. Und sie gefallen uns deutlich besser als die modernen Presspapptüren.

Die Vollholztüren mit Rahmen und Füllungen sind aus Nadelholz gebaut. Die Beschläge sind aus schwerem Schmiedeeisen. Und sogar Scharniere, Schlossblenden und Schlösser sind teilweise noch da. Dank an unsere Vorbesitzer!

Also geht’s ans restaurieren der Türen.

Sabine beginnt mit einer Tür, die offensichtlich aus dem Brandzimmer im ersten Stock stammt. Eine Seite der Tür, die ursprünglich weiß war, ist verrußt und am oberen Ende wirft der Lack blasen. Nach kurzer Zeit ist klar, dass abschleifen der vielen Lackschichten keine Option ist. Das Schleifpapier ist nach kurzer Zeit zugesetzt.

Also muss der Heißluftföhn ran

Sabine beim entfernen der Farbe

Nach etlichen Wochenenden, unterbrochen von anderen Arbeiten, ist die Farbe endlich runter. Nun geht’s ans Verlängern der Tür. Und einige Reparaturen sind auch noch nötig. Die Türen haben bei der Lagerung alle am unteren Ende Wasser abbekommen. In den unteren Bereichen ist das Holz verfault. Dieses ersetze ich und verlängere dabei die Türen auch gleich. Wie man auf dem ersten Bild oben sehen kann habe ich links und rechts ein neues Brett aufgenagelt. Genagelt um in der ursprünglichen Bauweise zu bleiben.

Die vorhandenen Türstöcke passen nicht zu den restaurierten Türen, so ersetzen wir die durch Eigenbauten. Passende gibt es im Baumarkt nicht. Und so schwierig ist ein Türstock nicht.

Umgearbeitete TürscharniereDie Scharniere hat uns Herr Widdel, der eigentlich unser Elektriker ist, umgebaut. Die Einschlaghaken hat er durch lange Schrauben ersetzt. So lassen sich die Scharniere exakter im Türstock und Fachwerkbalken setzen. Wir bohren einfach an der richtigen Stelle vor. Die Scharniere lassen sich so mit geringer Toleranz setzen.

So sieht Beschlag und Scharnier dann an der Tür aus. Den Türrahmen an die Tür und die krummen Wände anzupassen war gar nicht so einfach. Die Dicke der Wand variiert bis zu 5 cm im Bereich der Türöffnung. Aber nach ein paar Stunden ist uns das auch das gelungen.

Scharnier und BeschlagTürgriff und SchlossblendeAuch das Schloss, das Schlossschild und die Türgriffe sind bei der Tür noch original. Sogar der Schlüssel hat sich gefunden.

Auskeilen der Türen

Zwar war die erste Tür durch den Zimmerbrand ziemlich getoastet aber dennoch recht gut in Schuss sind die beiden anderen schon deutlich schlechter im Zustand. Nachdem der weiße Lack ab ist, sieht man dass nahezu alle Fugen durch Schwund weit auseinander gegangen sind. Da beide Türen noch einigermaßen maßhaltig und stabil sind entscheiden wir uns dafür etwas mehr Arbeit zu investieren und die Fugen auszukeilen.

Keilleiste und Schwundspalt der TürMit selbstgeschnittenen Keilleisten in unterschiedlichen Breiten füllen wir alle Fugen. Die Keilleisten haben wir einfach auf der Tischkreisäge geschnitten. Kreissäge schräg stellen und die Keilleisten durch drehen und wenden des Brettes absägen.

Ausgekeilter BereichDie Keilleisten einfach mit Leim bestreichen und mit dem Hammer vorsichtig eintreiben bis sie gleichmäßig auf Spannung sitzen. Die Keile nicht zu fest eintreiben sonst drückt man die Spalte noch weiter auseinander. So sieht das aus wenn der Leim trocken ist.

Keilleisten beigearbeitetNachdem der Leim hart ist haben wir mit dem Stemmeisen die Keilleisten beigearbeitet. Man kann zwar noch sehen wo das neue Holz sitzt, aber wir finden das stört nicht weiter. Im Gegenteil, wir denken so kann man sehen dass die Tür schon einiges erlebt hat.

Neues, modernes, Schloss einbauen

Ausstemmung des Schlossschilds mit einer Leiste füllen.Die alten Schlossschilder waren versenkt eingebaut. Leider haben wir keine passenden Schilder bekommen. Also mussten wir erst einmal die Ausstemmung wieder füllen. Dazu haben wir passende Holzleisten angefertigt, die wir in die Ausstemmung leimen. Beim Leimen habe ich das Schloss durch einen passenden Holzklotz ersetzt damit die Tür sich nicht verformt.

Leiste beigehobelt und Ausstemmung für das SchlossHier rechts im Bild ist die Leiste schon beigehobelt und die Ausstemmung für das moderne Schloss ist auch schon fast fertig. Das Schloss und damit das Loch für die Klinke richtig zu positionieren war etwas Tüftlerei, da das alte Schloss natürlich nicht den modernen DIN-Normen entsprach.

Die Schlossblenden und die passenden Klinken aus Messing hatten wir über eine Kleinanzeige gefunden. Schlossblende, Schloss und SchlüsselDa sie uns zu neu ausgesehen haben, hatten wir sie abgeschliffen, mit einem aggressiven Badreiniger besprüht und einige Tage draußen liegen lassen. Nach etwa zwei Wochen hatten sie eine natürlich aussehende Patina angesetzt. Nur der moderne Schlüssel passt nicht wirklich dazu. Wenn sich kein passender alter Schlüssel findet, wird der wohl in einer Schublade verschwinden.

Die Scharniere sind, wie auch schon ursprünglich, unterschiedlich weit von der Türkante entfernt. Das untere steht etwa 2 cm weiter außen. Das gibt zwei gewollte Effekte. Zum einen hebt die Tür sich beim Öffnen vom Boden ab. Dadurch kann man den Spalt zum Boden sehr klein machen und die Tür streift nicht an Unebenheiten der Dielen. Zum anderen hat man einen automatischen Türschließer. Ist die Tür unter 90° geöffnet fällt sie ins Schloss.

Hier noch das Ergebnis unserer Türenrestaurierung

Fertige Tür vom Wohnbereich ausZür aus dem Zimmer gesehen

Oben: Die fertig restaurierte Tür vom Wohnbereich aus (links) und vom Zimmer aus. Im Zimmer ist der Boden auch schon fertig mit Hartwachsöl versiegelt.

Schlossblende und TürgriffDetail der Türverlängerung

In den Bildern oben sieht man links die Schlossblende und den Türgriff. Rechts wie wir die Tür verlängert haben um auch etwas größeren Leuten den Durchgang komfortabel zu machen. Die ersetzten Holzteile sind bewusst heller als das alte Holz der Tür. Wir wollten das der Ursprungszustand sichtbar bleibt.

Foto: D. Wiedamann

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