Sanierung der Fachwerkwände Um die Außenwände zu stabilisieren verkleben wir Gipskartonplatten.

Sanierung der Fachwerkwände

Die Fachwerkwände waren ursprünglich mit Bimsstein und Strohlehm ausgefacht. Innen ist der Lehmputz, dort wo er noch original erhalten ist ca. 2-3 cm Dick. Leider wurde über die Jahre alles mögliche an Materialien für Renovierung und Modernisierung verwendet. Zementmörtel, Kalkmörtel und Gips sorgen zusammen mit dem weichen Strohlehm für Risse an den Übergangsstellen.

Zustand der Fachwerkwände

Zustand der Fachwerwände vor dem Anbringen der Gipskartonplatten

Zustand der Fachwerkwände vor dem Verkleben der Platten. Rechts müssen noch ein paar Löcher und die Schlitze für die Elektrik verspachtelt werden.

Das Fachwerk besteht aus 15/15cm Balken die mit Bimsstein und Strohlehm ausgefacht sind. Im Erdgeschoss sind die neuen Fenster mit Zementputz eingeputzt worden. Das sollte, da die Flächen sehr klein sind, zwar nicht für Feuchtigkeitsprobleme sorgen aber am Übergang Zementmörtel / Strohlehm bilden sich Risse. An einer Stelle wurde vor Jahren, auch mit Mineralputz, ein Fenster zugemauert. Auch hier gibt es Risse am Übergang. Ausbesserungen mit Gips scheinen nicht zu Rissen im Putz zu führen. Offensichtlich wurde Gips auch verwendet um mit einer dünnen Schicht den recht weichen Lehmputz zu stabilisieren.

An anderen Stellen ist der Lehmputz locker und brüchig. Besonders bei den Außenwänden löst sich oft direkt über den Holzbalken der Lehmputz. Ursprünglich waren die Balken mit einer Strohmatte belegt, die mit einem halben Weidenzweig angenagelt wurde. An den Stellen an denen der Putz abfällt ist diese Strohmatte weitgehend zerfallen. Wir ersetzen später diese Strohmatten, je nach Größe der Schadstelle, durch Putznägel oder ein Kunststoffgeflecht.

Ursprünglicher Sanierungsplan

Unser erster Gedanke war, zumindest die Außenwände, wieder Fachwerkgerecht mit Lehmputz zu verputzen. Das würde neben einem angenehmen Raumklima auch das Beste für die Fachwerkkonstruktion sein. Aber die ersten Versuche die Fremdmaterialien zu entfernen zeigten schnell das dieses Unterfangen nicht einfach sein würde. Die harten Zementputzflächen abschlagen ohne den lockeren Verbund in den benachbarten Lehm / Bimsstein-Fachungen auseinander zu rütteln war nahezu unmöglich. So hätten wir an vielen Stellen die Gesamte Fachwerkwand sanieren müssen und nicht nur die Innenflächen. Das war nicht im Zeit- und Kostenrahmen zu machen. Um die Sanierung im Kostenrahmen zu halten mussten wir nach einer Alternative zu unserem ursprünglichen Sanierungsplan suchen.

Alternative Sanierungsplan

Um die Wände zu stabilisieren und der Rissbildung vorzubeugen entscheiden wir uns, zumindest auf den Außenwänden, Gipskartonplatten zu verwenden. Ja, ja, ich höre schon alle wettern, das dies so nicht optimal ist. Ist auch uns bewusst. Aber wir brauchen eine bezahlbare Alternative und auch eine, die wir selbst verbauen können. Als Kompromiss zwischen Bezahlbarkeit, Raumklima, Oberflächenqualität und Fachwerkeignung haben wir uns für den Gipskarton entschieden.

Plan ist es, den Gipskarton flächig mit den Außenwänden zu verkleben. So wollen wir Tauwasserbildung in der Wand vermeiden. Zur Verwendung kommen sogenannte Einmann Gipskartonplatten von Knauf. 12,5mm Dick und 60x2000cm. Die geben zwar etwas mehr Fugen zum Spachtel, lassen sich aber auch alleine gut verarbeiten. Zum Verkleben verwenden wir den Ansetzgips Perlfix, auch von Knauf.

Durchführung der Fachwerkwandsanierung

Materiallieferung für die Fachwerksanierung

Materiallieferung für unsere Fachwerksanierung. Neben den Platten für die Außenwände sind auch noch einige Platten für eine Zwischenwand und eine Decke dabei.

Vorbereitung der Wände

Zum Verkleben der Gipsplatten mit den Lehmwänden verwenden wir Perlfix von Knauf. Das ist ein Ansetzgips. Dieser ist etwa ein halbe Stunde verwendbar bevor er beginnt abzubinden. Wir haben alle lockeren Teile der Wände entfernt. Alle Löcher in den Wänden und grobe Unebenheiten haben wir mit Perlfix gefüllt und ein paar Tage abtrocknen lassen. Die lange Abbindungszeit ist nicht notwendig, ergab sich so durch unsere verfügbare Zeit. Auf den freiliegenden Holzteilen der Fachwerkwände haben wir je nach Größe der Holzfläche entweder Putznägel angebracht oder ein Kunststoffgeflecht aufgenagelt. Das sollte dauerhaft Halt für den Putz geben.

Verkleben von Gipskartonplatten auf der Fachwerkwand

Anpassen der Gipsplatten vor dem Verkleben

Verkleben der Gipskartonplatten

Auf die Gipskartonplatten bringe ich mit einer groben Zahnspachtel den Gipskleber auf. Die Platten werden mit etwas Abstand zum Dielenboden, hier habe ich jeweils eine Leiste untergelegt, fest an die Wand gedrückt. Auch Einmannplatten werden mit dem Kleber schwer genug. Ich bin froh, das wir nicht die Größeren genommen haben. Es ist mit den schmalen Platten auch deutlich einfacher den sanften Bögen unserer Fachwerkwände zu folgen. Wegen den unebenen Wänden bin ich bald dazu übergegangen die Platten erst einmal ohne Kleber an die Wand zu halten. So kann ich bei Dellen zusätzlich Kleber auf der Wand aufbringen. Bei größeren Beulen hab ich jeweils etwas vom Putz abgetragen. Das geht bei Lehm sehr einfach mit einem Gipshobel. Bis etwa 1cm Unebenheiten gleicht der Ansetzgips das genügend aus. Wichtig ist, die Platten wirklich flächig zu verkleben.

Zuerst setze ich eine Reihe Platten hochkant unten an die Wand. Bei etwa 270 Raumhöhe ist die zweite Reihe mit etwa 70cm deutlich leichter. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil wenn man die Platten auf der Leiter stehend anbringen muss.

Tipps zum Arbeiten mit Gipskartonplatten

Alle Ausschnitte für Steckdosen und Fenster lassen sich leicht mit dem Teppichmesser oder mit der Stichsäge schneiden. Mit dem Teppichmesser einfach die Pappe auf einer Seite einritzen und die Platte über eine Kante abbrechen. Die Schnittstelle etwa 90° anwinkeln, dann die andere Seite der Pappe mit dem Teppichmesser durchschneiden. Bei runden oder verwinkelten Ausschnitten eignet sich die Stichsäge oder eine Gipssäge. Alle Stoßstellen der Platten untereinander sollte man kräftig anfasen. Das erleichtert später das Verspachteln.

Verspachteln der Fugen und Kanten

Die Fugen haben wir in zwei Arbeitsgängen mit Uniflott gespachtelt. Übergänge zu Decken und Ecken zwischen den Wänden haben wir mit Silikon ausgefugt. So kann einer Rissbildung vorgebeugt werden.
Auf den Innenwänden bessern wir die Schadstellen erst mal mit Gips aus. Danach werden die Wände etwa 1mm dünn mit Gipsspachtel geglättet. Das gibt zum einen eine glatte Oberfläche und zum anderen wird die Oberfläche des Lehmputzes stabiler.

Foto: Dagobert Wiedamann für mein-schnaeppchenhaus.de

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