Einbauküche

Einbauküche, Eigenbau Einbauküche mit Esstisch für unser kleines Fachwerkhaus. Ein Eigenbau.

Einbauküche ist vielleicht das falsche Wort um dieses Projekt zu bezeichnen. Aber seht selbst. Wer eine gute Idee für eine Bezeichnung für so eine außergewöhnliche Küche hat, kann sich ja melden.

Holz für unsere Einbauküche

Los ging das Projekt mit einem Besuch bei unserem Dachdecker. Wir wollten eigentlich nur nach ein paar alten Brettern für unsere anderen Projekte fragen. Als meine Frau ihn am Freitag nach etwas altem Holz fragte meinte er nur, kommt doch morgen wieder, dann bin ich hier am aufräumen, da gibt’s bestimmt was für euch.

Am Samstag zeigt er uns seine Schätze. Unter einer Abdeckung hinten im Hof finden wir einen Haufen Eichenbalken aus einem Abriss eines alten Fachwerkhauses. Wir nehmen den Haufen Holz etwas auseinander und da liegt er! Ein Balken knapp 2 Meter lang, mit vielen Taschen und anderen Zeichen der Zeit. Im Kopf habe ich sofort das Bild einer Küchenzeile in dem der Balken die Hauptrolle spielt. Nach einer Weile haben sich auch einige Nebendarsteller gefunden und wir bringen unsere Beute stolz wie Bolle nach hause.

Erstmal geht’s ans reinigen. Dabei entfernen wir Putzreste und auch das angefaulte,weiche Holz. Nägel hatte schon Jemand anderes vor uns entfernt. Mit der Handstahlbürste ist das zwar etwas aufwändiger. Aber ich mag es, weil ich dabei schon ein Gefühl für das alte Holz entwickle.

Aufbau des Rahmens für die Einbauküche.

Der Balkenrahmen der Küche stehtDer erste Schritt ist aus den Balken und einige anderen passende Balkenstücken ein Gerüst für die Arbeitsplatte zu schaffen. Dabei verwende ich Holzverbindungen wie sie ein Zimmermann machen würde. Die linke Ecke, die ja frei im Raum sein wird, ist an dem langen Balkenende schon auf Gehrung gearbeitet und mit einem Zapfen versehen. An ein passendes Balkenstück arbeite ich eine Tasche für den diagonalen Zapfen an. Es dauert länger das passende Stück zu finden als die Gehrung zu schneiden und den Zapfen auszuarbeiten. Ich sitze manches mal vor den alten Eichenbalken und warte auf eine Eingebung. Die Balken, die die Füße der Arbeitsplatte bilden, zapfe ich in den oberen Balken jeweils verdeckt ein. Insgesamt bekommt die Einbauküche 5 Balken als Füße.

Die Abstände richte ich so ein, das eine Weite von 60cm zwischen den Balken gegeben ist. Das ist das Standardmaß für Küchenunterschränke. So ist gewährleistet das später auch mal eine Spülmaschine oder so eingebaut werden kann. Die Höhe der Arbeitsplatte habe ich auf 92cm gesetzt. So bleibt zum einen unter dem Balken genug Platz für den Einbau von Elektrogeräten, zum anderen kann meine Frau, die etwas kleiner als ich ist, gerade noch in die Töpfe auf dem Herd sehen.

Spülbecken und Ceranfeld einbauen

Ein zu unserer Einbauküche passendes Spülbecken haben wir von einem lieben Nachbarn bekommen. Er meinte: „Das haben wir vor 20 Jahren bei der Uroma ausgebaut“. Es ist ein eckiges Porzellanbecken mit zwei getrennten, tiefen Becken. Es ist genau so eines wie wir gesucht hatten. Das Spülbecken hat zwar über die Jahre die eine oder andere Macke abbekommen, die stören uns aber nicht.

In das Balkengerüst habe ich oben eine OSB-Platte (Grobspanplatte) eingelassen und verschraubt. Das gibt Stabilität und ist eine gute Unterlage für die Fliesen die die innere Fläche der Arbeitsplatte bilden werden. Die Ausschnitte für das Spülbecken und das Ceranfeld sind schnell gemacht. Das alte Spülbecken ohne Unterbau in die Platte einzupassen und stabil aufzuhängen dauert etwas länger. Ich hoble mir ein paar Leisten, die die Rundung des Spülbeckenrands abbildet. Mit der Kammschmiege, einer variablen Konturschablone, kann man die Konturen einfach übertragen.

So sieht das Spülbecken nach dem Einbau aus. Hier sind die Fliesen schon aufgeklebt.

Hier der Ausschnitt für das Ceranfeld und die Steuerung dafür.

Fliesen der Arbeitsplatte

Fliesen und Details der ArbeitsplatteFür die Arbeitsplatte haben wir im Internet nach Inspiration gesucht. Dabei haben wir uns so viele Bilder von Fliesen angesehen, das wir am Ende nicht mehr wussten was wir wollen. Was wir allerdings gefunden haben waren goldene Dekorfliesen. Von diesen haben wir uns eine Matte bestellt. Die kann man wirklich nur zum Dekorieren nehmen, bei dem Preis. Letztendlich haben wir unsere Fliesen für die Arbeitsplatte dann im Baumarkt gefunden. Mosaikfliesen aus Marmor in braun mit hellem Muster.

Die Fliesen kleben wir mit einem elastischen Fliesenkleber flächig auf die OSB-Platte. Schneiden, bzw. brechen, lassen sich die Mosaikfliesen einfach mit einer Beißzange. Die Fliesenzange, die ich habe, war einfach zu grob für die kleinen Mosaikfliesen. Verfugt haben wir die Arbeitsplatte in einem hellen Braunton.

Der Wasserhahn

Mit dem Wasserhahn hatten wir auch eine schwere Geburt. Wir wollten keinen verchromten Standardwasserhahn. Das war klar. Es musste auch ein für Niederdruck geeigneter sein. Wir wollen nicht nur wegen Warmwasser die Heizung durch den Sommer laufen lassen. Das schränkt die Auswahl nochmal weiter ein.

Letztendlich haben wir einen Wasserhahn in Kupfer im Internet gefunden, der nahe an unsere Vorstellungen kommt. Leider gibt es Wasserhähne in diesem Stil kaum von den Qualitätsherstellern. Mal sehen ob dieser relativ preiswerte Hahn dicht bleibt und ob die Kupferschicht auch hält. Wenn nicht ist er ja auch einfach wieder getauscht.

Verrohrung der EinbaukücheVerrohrung des Spülbeckens

Wie so oft bei alten Sachen ist auch an der Spüle nichts genormt. Wir hätten gerne zwei neue Abläufe eingebaut. Aber in der nötigen Größe war nichts zu finden. Mit etwas stöbern im Baumarkt haben wir eine Lösung gefunden wie wir die alten Ablaufsiebe und die Abläufe wiederverwenden können.

Mit einer weichen, dicken Gummidichtung konnten wir das alte Messingrohr des Ablaufs an ein 2“ HT-Rohr basteln. Sieht nicht besonders elegant aus, ist aber dicht. Wir haben auch den Rest der Verrohrung in HT-Rohr ausgeführt. Auch den Siphon haben wir in HT-Rohr gebaut.

Die Türen der Einbauküche

Einbauküche TürenFür die Türen hat uns ein lieber Nachbar ein paar alte Bretter überlassen. Es war zwar eine Herausforderung all die abgerosteten SchwalbenschwanzverbindungNägel zu entfernen aber das Ergebnis war es unserer Ansicht nach wert. Die Brauntöne, die altes Eichenholz entwickelt, bekommt man mit beizen oder räuchern nicht hin.

Die Griffe hatte Sabine über eine Kleinanzeige gefunden. Wir glauben, die passen perfekt zur Einbauküche. Der Grundkörper ist aus Messing und die Grifflächen aus Porzellan.

Die einzelnen Bretter habe ich zum stabilisieren auf ein 8mm Buchensperrholz montiert. Die Doppelschwalbenschwänze (Schwalbenschwanzzinken) habe ich nicht nur als Verbindungselement sondern auch als dekoratives Element vorgesehen. Deswegen habe ich helles Eichenholz dafür verwendet.

Schubläden

Schubladen der EinbaukücheDie Schubläden sind aus einfachen 16mm Fichtenleimholz. Die Fronten haben wir aus einigen alten Eichenbrettern, die ich in der Nachbarschaft geschenkt bekommen habe, gefertigt. Da die Bretter schon stark verwittert waren, war es eine besondere Herausforderung das Holz zu stabilisieren. Die Oberfläche habe ich mit der Stahlbürste vorsichtig von allem weichen, faulen Holz befreit und nur leicht die Oberfläche mit dem Hobel plan gearbeitet. Da das Holz noch einige weiche Stellen hatte habe ich es gut mit Hartwachsöl getränkt. Das härtet die Oberfläche etwas und sorgt dafür das die Flächen nicht so nässeempfindlich sind.

Natürlich muss auch der Dunstabzug an das Design der Küche angepasst werden. Wir haben einen Edelstahl Dunstabzug in 80cm breite gekauft. Mit einigen alten Eichenbalken, die gleichzeitig als Halterung für die Haube dienen, hat sie nun einen Look der zum Rest passt. Durch die Balken wurde die Konstruktion etwas schwer. Um sie in der weichen Wand zu befestigen haben wir die Wand durchbohrt und die Balken mit zwei 8er Gewindestangen und Konterplatten auf der anderen Wandseite befestigt.

Da die Wände mit Lehm verputzt sind, brauchen wir zwingend einen Fliesenspiegel.Der Wasserdampf würde sonst in den Putz eindringen. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns diesen in Ahorn auszuführen. Das helle Holz bildet einen schönen Kontrast zur dunklen Eiche der Einbauküche. Verwendet haben wir ein Echtholzlaminat. Befestigt haben wir das Laminat mit Doppelklebeband und einer verschraubten, umlaufenden Eichenleiste. Die Leisten, diese sind ja aus verhältnismäßig neuer Eiche, haben wir mit Salmiak geräuchert um sie dem Farbton der Küche anzupassen.

Foto: Dagobert Wiedamann

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